Rezension: Nur der Tod vergisst

Krisi Schoellkopf | Samstag, 9. April 2016 |

Titel: Nur der Tod vergisst
Autor: Peter Hakenjos
Verlag: Der Kleine Buchverlag
Genre: Historischer Roman
Seiten: 221 (Broschiert)
Erscheinungsdatum: 03. Februar 2014
Preis: 14,95 Euro (broschiert), 11,99 Euro (Kindle Edition)


Klappentext:

Pforzheim, 1944. Der 17-jährige Ulf Lahner meldet sich freiwillig zur Waffen-SS. Doch an der französischen Front zerplatzt sein Traum vom ehrenhaften Kampf und Heldentod fürs Vaterland. Seine schlimmen Erlebnisse verfolgen ihn von nun an. Er überlebt die Pforzheimer Bombennacht, gerät in englische Kriegsgefangenschaft und flieht durch das zerstörte Nachkriegsdeutschland über den Brenner nach Italien, schifft sich in Genua ein - Destination Buenos Aires, Argentinien, Südamerika. Er lernt Pilar kennen, eine Rapanui, die seine Sicht der Dinge verändert. Doch sein Gewissen kommt nicht zur Ruhe. Ein packender Roman, der den Leser bis kurz vor Schluss im Dunkeln lässt, mit welch schwerer Schuld sich Ulf Lahner beladen hatte.
(Quelle: http://www.amazon.de/Nur-Tod-vergisst-Peter-Hakenjos/dp/3765086460)

Informationen über den Autor:

Peter Hakenjos wurde im Jahre 1948 im Zeichen des Zwillings geboren, aufgewachsen in und immer wieder zurückgekehrt nach Karlsruhe. Studium der Wirtschaftspädagogik an der Universität Mannheim und Lehrer für Spanisch sowie Wirtschaftswissenschaften an einer Beruflichen Schule, Tätigkeit in der Lehreraus- und fortbildung.
Nach ca. fünfzig Schuljahren in die Freiheit entlassen. Er wohnt in Pfinztal, im Südwesten Deutschlands.
Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller VS-Ver.di
(Quelle: http://www.peterhakenjos.de/vita.html)

Meinung:

Ich kam durch rezisuche.de auf Peter Hakenjos Buch und da ich ein großer Geschichtsfan bin und dazu noch aus Pforzheim stamme, musste ich das Buch einfach lesen.

Das Cover passt perfekt zum Roman. Es besteht aus einer Fotografie aus dem Krieg, auf welcher man eine zerbombte Stadt erkennen kann. Das Foto ist in einer schwarz-grünlichen Farbe abgedruckt und der Titel des Buches "Nur der Tod vergisst" ist in roter, bzw. "Tod" in schwarzer, Schrift zu lesen. Da ich selbst schon viele Bücher zur Zerstörung der Städte im zweiten Weltkrieg, so auch Pforzheim am 23. Februar 1945, gelesen und auch von meinen Großeltern viel über die Bombardierung gehört habe, bringt schon das eine Bild auf dem Cover mich dazu, zu erschaudern.

Die Geschichte dreht sich um den Deutschen Ulf Lahner, der sich zuerst überzeugt der SS anschließt, durch die Bombardierung Pforzheims und weiterer Ereignisse im Krieg jedoch nichts mehr von seinem Leben übrig hat, als den Todeswunsch. Als er dann mit Hans, Günther und Fritz aus dem Lager der "Tommies" nach Italien flieht und Hannah kennenlernt, beginnt sein Leben sich langsam zu verändern. Erst in Südamerika jedoch, gesteht er sich die eigene Schuld ein und beginnt sein Leben wieder zu führen.
Die Geschichte ist sehr real dargestellt, was auch an der Sprache liegt, auf die ich später eingehen möchte. Man fühlt sich fast, als sei man Teil des Geschehens.

Der Aufbau des Romans besteht aus verschiedenen Kapiteln, bei welchen man durch die Orts- und Zeitangabe schön mitverfolgen kann, wo und wann (im Krieg) man sich befindet, so kann man sich auf, z.B. die Kapitulation oder andere Ereignisse, schon einstellen und weiß, warum sich die Situation für Ulf verändert.

Die Personen im Buch sind sehr authentisch und realistisch dargestellt. Während man das Leben des "Nazi" Ulf verfolgt, begegnet man Menschen, wie sie verschiedener nicht sein könnten. "Tommies", die Gnade walten lassen, einer jungen Frau, die Auschwitz überlebt hat, einer Frau, die sich mit einem unehelichen Kind in Südamerika durchkämpft und so viele mehr.
Der Leser kann sehr gut verfolgen, wie der Krieg Auswirkungen hat, auf Menschen verschiedener Altersgruppen und Abstammungen. Durch die Einsicht in Ulfs Leben kann man sich sehr gut in ihn hineinversetzen, obwohl ich es am Anfang für fast unmöglich hielt, mich in einen SS-Mann hineinversetzen zu können.

Die Sprache im Buch ist recht nüchtern und sie ähnelt einem Sachbuchschreibstil. Ich mag diesen Stil sehr gern, da der Autor nicht urteilt, sondern einfach beschreibt, so kann jeder Leser sich seine eigene Meinung bilden. Die Dialoge sind sehr authentisch beschrieben, da sich die Sprache auch der Situation anpasst (z.B. Die Soldaten, welche verwundet aus dem Krieg kommen, sprachen sehr derb und verbittert, was man sehr gut nachvollziehen kann und die Situation widerspiegelt).

Wenn man einen Roman über den zweiten Weltkrieg in den Händen hält, erwartet man einen Roman darüber, wie schwer es die jüdische Bevölkerung hatte und was für Monster die Menschen, die für Hitler und das Naziregime "gearbeitet" haben, waren. Dieser Roman ist ganz anders. Man wird mit der Frage konfrontiert: "Was hätte ich getan? Gibt es überhaupt eine Chance etwas anderes zu tun?" Ulf ist mit dem Regime aufgewachsen, er kompensiert seine Komplexe mit Engagement für die Nazis und es ist alles, was er jemals kannte. Während die Geschichte allerdings immer weiter voranschreitet, kann der Leser erkennen,  dass das Leben für die Menschen, die in der SS gedient haben, hauptsächlich von Schuld geprägt war. Man kann langsam die Taten der Menschen nachvollziehen, was sie natürlich auch nicht rechtfertigt.
Auf Herrn Hakenjos Blog ist so schön geschrieben:
"Es ist nicht unsere Aufgabe, die Generation unserer Eltern zu verurteilen. Es ist auch nicht unsere Aufgabe, ihre Schuld zu bagatellisieren oder uns dafür individuell schuldig zu fühlen. Unser Bedürfnis ist es, ihr Leben und ihr Handeln zu verstehen."
(Quelle: http://www.peterhakenjos.de/Tod-vergisst.html)

Diese Zitat bringt, für mich, das Buch auf den Punkt.
Man erlebt den Krieg aus Sicht eines "Täters" und es zeigt Dinge auf, auf die man, wenn man an das dritte Reich oder den zweiten Weltkrieg denkt, nicht selbst kommt.
Gerade jemand aus meiner Generation, ich bin 1997 geboren, kann sich die gesamte Situation damals nur schwer vorstellen, aber dieses Buch schafft es, mich in diese Zeit zurückzuversetzen und das Geschehen und die Schuld und den Todeswunsch, der die SS-Männer plagte, zu verstehen.

Fazit:

"Nur der Tod vergisst" ist für Geschichtsinteressierte ein absolutes Muss.
Es zeigt auf authentische Weise, wie es im zweiten Weltkrieg wirklich zu ging und nicht nur, was auf politischer Ebene oder in den Konzentrationslagern ablief.
Aus diesem Grund vergebe ich:


An dieser Stelle möchte ich Herrn Peter Hakenjos sehr herzlich für das Rezensionsexemplar, die netten Mails und den Verweis auf seinen Blog danken.
Jeder, der sich weiter mit dem Roman und seinem Hintergrund beschäftigen möchte, sollte Herrn Hakenjos Blog besuchen:

http://www.peterhakenjos.de/Tod-vergisst.html





Kommentare:

  1. Hallo ihr zwei,

    eine tolle Rezension ist das! Das Buch klingt sehr interessant, ist aber wohl leider nicht so nach meinem Geschmack.

    Bleibe mal direkt als eure Leserin hier :)

    Liebe Grüße
    Charleen

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    1. Liebe Charleen,
      vielen Dank, ich freue mich sehr, dass Dir die Rezension gefällt. :)
      Gerne, ich freue mich ;) Hoffentlich sind einige Bücher, die wir rezensieren, eher was für Dich. <3
      Viele Grüße und ein schönes Wochenende,
      Krisi

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